1989 im Fokus: Fundstücke aus Brandenburg

1989 im Fokus: Fundstücke aus Brandenburg

Fundstücke aus Brandenburg – zwei Ausstellungen aus dem Jahr 1989. Foto: Max Meier, BKG/HBPG

Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte

Potsdam.

Aus Anlass des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution 1989 zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) vom 12. April bis 23. Juni die Werkstatt-Ausstellung "Fundstücke aus Brandenburg. Zwei Ausstellungen aus dem Jahr 1989". Der Eintritt ist frei.
Die Schau im Kutschstall in Potsdam wurde von der brandenburgischen Kultusministerin Dr. Martina Münch und vom Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam Mike Schubert eröffnet. 

Die Werkstatt-Ausstellung stellt zwei zeitgeschichtliche Zeugnisse einander gegenüber, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – quasi „von oben“ und „von unten“ –  Momentaufnahmen vom letzten Jahr der DDR vermitteln:

Potsdam: 10. September bis 8. Oktober 1989
In privater Hand hat sich diese kleine Schau erhalten, zu der engagierte Potsdamer im Sommer 1989 die Initiative ergriffen hatten. Mit ihr wollten sie über die historische und architektonische Bedeutung des Areals der zweiten barocken Stadterweiterung Potsdams informieren und zugleich das öffentliche Schweigen zum fortschreitenden Verfall und zu den bereits begonnenen Flächenabrissen in der Potsdamer Altstadt brechen. In einer Zeit, als das Ende der DDR unmöglich abzusehen war, bedeutete es noch ein persönliches Risiko, diese Idee auch umzusetzen – in den eigenen vier Wänden, nach Feierabend und an den Wochenenden und aus eigener Tasche bezahlt. Michael Heinroth und Michael Zajonz trugen die Inhalte zusammen, Steffen Mühle und Michael Heinroth fotografierten, Wolfgang Frederick und Uta Scholz gestalteten die Texte und Zeichnungen mit der Schreibfeder, Michael Heinroth tischlerte die Ausstellungsrahmen und Vitrinen, und die Potsdamer Druckerei und Buchbinderei Christian Rüss fertigte das Besucherbuch.

Fast scheiterte das Ausstellungsprojekt, denn den staatlichen Kultureinrichtungen in Potsdam fehlte der Mut, die Präsentation zu zeigen. Schließlich stellte die evangelische Nikolaigemeinde ihren Ausstellungsraum in der Nikolaikirche am Alten Markt zur Verfügung. Die Resonanz der kleinen Schau war überwältigend: Etwa 10.000 Besucher kamen und gaben damit das hoffnungsvolle Signal, mit breitem öffentlichen Protest die drohende Zerstörung des europäisch bedeutsamen Potsdamer Flächendenkmals doch noch stoppen zu können. Die Ausstellung  wurde nach der Friedlichen Revolution zum Ausgangspunkt für eine neue, behutsame Stadtsanierung in Potsdam. Nach 30 Jahren ist sie nun erstmals wieder in Potsdam zu sehen. 

40 Jahre DDR-Hauptstadt Berlin, gezeigt in Moskau, 1. bis 20. Juni 1989
2016 stolperten HBPG-Mitarbeiter in einem Museumsdepot im Oderbruch über großformatige Ausstellungstafeln mit Berlin-Fotos und russischer Beschriftung. Ein Fund, der Rätsel aufgab: wo kamen sie her, und wozu dienten sie einst? Es folgten akribische, fast kriminalistische Recherchen, die bis in Moskauer Archive führten. Zutage kam: die Tafeln gehörten zur letzten und vermutlich größten „Leistungsschau“ der sozialistischen DDR-Hauptstadt, ausgerichtet vom Ost-Berliner Magistrat und der SED-Bezirksleitung auf dem Allunions-Messegelände in Moskau. Hinter der letzten offiziellen Auslandspräsentation der DDR in der UdSSR stand durchaus Kalkül: Vor dem Hintergrund der von Auflösungserscheinungen und Mangelwirtschaft geprägten sowjetischen Gesellschaft trumpfte die reformfeindliche SED-Führung hier noch einmal mit den Erfolgen „ihrer“ Wirtschafts- und Sozialpolitik auf. Das wurde vom Publikum durchaus auch als Seitenhieb auf Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika verstanden und im Besucherbuch reflektiert. Von den einstigen etwa 1.500 Ausstellungstafeln haben sich wahrscheinlich nur diese wenigen erhalten, die jetzt im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte gezeigt werden. (ps)

* "Fundstücke aus Brandenburg. Zwei Ausstellungen aus dem Jahr 1989" - Werkstatt-Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zum dreißigjährigen Jubiläum des Revolutionsjahres 1989
* Laufzeit: 12. April bis 23. Juni 2019 
* Besucheradresse: Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kutschstall, Am Neuen Markt 9 in 14467 Potsdam
* der Eintritt ist frei 
* Öffnungszeiten sind Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr, Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr 
* Kasse und Informationen unter Tel. 0331 62085-50, per E-Mail unter kasse@gesellschaft-kultur-geschichte.de
* weitere Informationen gibt es im Internet unter www.hbpg.de 

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