Erschreckender Sinkflug

Erschreckender Sinkflug

Dem drastischen Insektensterben soll nun ganz nach dem bayrischen Paradebeispiel etwas entgegengesetzt werden: Auch in Brandenburg startet nach Ostern eine Volksinitiative gegen das Insektensterben. Foto: uschi dreiucker / pixelio.de

Volksinitiative gegen das Insektensterben

Potsdam. Die Windschutzscheibe voller Insekten, wenn abends der Heimweg mit dem Auto angetreten wird? Schon lange gehört dieses Szenario der Vergangenheit an. Grund dafür ist sowohl der Rückgang der Artenvielfalt bei den Insektenpopulationen als auch der zahlenmäßige Rückgang der verbleibenden Individuen. Im Zeitraum von 1989 bis 2015 konnte ein Verlust von unglaublichen 75 Prozent der Biomasse an Insekten verzeichnet werden. Das sind schlechte Nachrichten für die biologische Vielfalt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben: Vögel, Amphibien und Fledermäuse finden immer weniger Nahrung und auch bei dem Ertrag vieler Blüten- und Nutzpflanzen kann ein stetig wachsender Einbruch verzeichnet werden, da die Pflanzen nicht mehr ausreichend bestäubt werden können.
Entgegen der ersten Vermutungen können Klima- und Biotopveränderungen inzwischen als Hauptursache des Insektensterbens ausgeschlossen werden. Der Zahn des Übels scheint vielmehr bei der intensiven Landwirtschaft samt hoher Pestizidbelastung zu wurzeln.
Dem bayrischen Beispiel folgend soll nun auch in Brandenburg eine Volksinitiative gestartet werden, die die umweltfreundlichere Landwirtschaft anmahnt und einen Gesetzesentwurf präsentiert, der bestenfalls zur Gesetzesänderung führen wird.  Wie dieser Entwurf im Detail aussehen wird, steht noch nicht fest. „Die Schwierigkeit mit dem Gesetzesentwurf ist, dass ja vielen Sachen, die den Insekten schaden, nicht nur mit einem Gesetz zu helfen ist, sondern da muss man vielleicht auch am Naturschutzgesetz was ändern“, erläutert Thomas Volpers, der stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Brandenburg. Alle Facetten könnten nicht in einer Volksinitiative allein untergebracht werden, weshalb nach wie vor über den genauen Wortlaut diskutiert wird. Nach Ostern soll es aber offiziell mit dem Unterschriften sammeln losgehen. Insgesamt werden 90.000 Unterschriften benötigt, derer sich Volpers allerdings sicher ist. „Unser Ziel ist es, zu der Zeit im September, wo sich eine neue Regierung konsolidiert, die Marke erreicht zu haben oder kurz davor zu stehen. Ich glaube normalerweise hat man ein ganzes Jahr lang Zeit, aber ich bin sicher, bei dem Thema brauchen wir bei weitem nicht so lange.“
Ebenfalls zur Debatte steht auch, ob die gemeinsame Initiative von BUND Brandenburg und dem NABU Brandenburg allein durch die Umweltschutzverbände getragen wird, oder ob man sich weitere Unterstützung aus den politischen Reihen holt. Denn dort ließ die Bereitschaft, das Thema anzupacken, bisher zu wünschen übrig: „Grade die SPD, die ja seit Jahrzehnten den landwirtschaftlichen Umweltminister stellt, hat nicht nur seit Jahrzehnten nichts getan, sie hat sich auch geweigert in den letzten Jahren etwas in die Richtung zu unternehmen. Und die Linken, die auch mal angetreten sind, um in der Umweltpolitik etwas zu bewirken, sind in der Landwirtschaftssache auch ordentlich zurückgerudert und haben gesagt: Lieber in der Regierung bleiben, als die Ziele durchsetzen“, kritisiert Volpers. Unterstützung erwartet er vor allem aus der Bevölkerung. In Bayern unterschrieben mehr als eine Millionen Menschen für den Schutz von Artenvielfalt und Umwelt. (jk)

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