Vorhang auf für die „Zimmerbühne“

Vorhang auf für die „Zimmerbühne“

Andreas Hueck, der künstlerischer Leiter (l.), übernimmt auch selbst gern eine Rolle. Foto: Katharina Seibt

Das „Poetenpack“ feiert 20-jähriges Jubiläum und lädt zu Entdeckungen ein

Zum Jubiläum werden „Erinnerungsfotos“ gezeigt: Untermalt wird die Premierenfeier mit einer Ausstellung. Rayk Goetze zeigt Theaterplakate, die ein Repertoire der zurückliegenden Jahre abbilden. Hier: „Das Spiel von Liebe und Zufall“. Grafik: Rayk Goetze

Potsdam.

Das „Poetenpack“ begeht sein 20-jähriges Jubiläum mit kreativen Ideen. Start ist am 23. Februar mit der neuen Spielstätte: die „Zimmerbühne“ in Potsdam, Zimmerstraße 12 b. Eine Spielstätte nur wenige Schritte von der Innenstadt entfernt, gegenüber dem St. Josefs-Krankenhaus.
Für Kenner des „Poetenpacks“ eine ungewöhnliche Spielstätte, sind sie doch vielmehr für Open-Air-Theater in der Landeshauptstadt bekannt. Ist das „Poetenpack“ nun erwachsener geworden? Bei der Ideenfindung für eine wetterunabhängige Spielstätte ist wohl vielmehr eine glückliche Fügung. Die Wetterabhängigkeit und der damit verbundene Saisonbetrieb ist nur ein Aspekt. Denn die Vielfalt der Entdeckungen und Anregungen, die beispielsweise ein Heckentheater am Neuen Palais zu bieten hat, sind in einer festen Spielstätte nur bedingt gegeben. Und doch bleibt es über die Jahre anstrengend an wechselnden Spielorten tätig zu sein. Hinzu kam ein weiterer Aspekt. Derzeit sind die Requisiten in der Schiffbauergasse untergebracht. Da das Gelände umgebaut wird, ist auf lange Sicht die Bleibe fraglich. Das neue Lager könnte ab 2020 in die Waldstadt umziehen, merkt Andreas Hueck, der künstlerische Leiter, vorsichtig an, denn noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Auf der Suche nach Räumen kam auch die Zimmerstraße ins Gespräch. Das Haus verbreitet morbiden Charme und lässt vielseitige Interpretationen zu. Ein geräumiger Veranstaltungssaal mit kleiner Bühne, ein Treppenaufgang mit Empore, der den Blick auf den Geschehen von oben freigibt. Eine schlichte Umgebung, die den Blick des Zuschauers auf das Wesentliche lenkt – der Inszenierung in allen Details zu folgen. Das Theater findet nah am Zuschauer statt. Der Veranstaltungssaal bietet Platz für eine Bühne und  etwa 80 Zuschauern.
Die Spielstätte ist zunächst für ein Jahr gemietet. Neben dem „Poetenpack“ nutzt MitMachMusik e.V. die Räumlichkeiten. Ein Projekt, das für und mit Flüchtlingskindern musiziert. Zuvor hatte die Adventistengemeinde hier Zuhause gefunden.
Zuzutrauen ist die Belebung der „Zimmerbühne“ Andreas Hueck und dem Poetenpack-Ensemble durchaus. Der 49-jährige Andreas Hueck studierte Schauspiel, eignete sich in der Folgezeit das ABC des Regieführens an. Erfahrungen sammelte er unter anderem am Theater in Magdeburg. Schon bald spürte er, dass die Selbstinszenierung einiger Schauspielkollegen nicht Seins ist. Der künstlerische Leiter ist vertraut mit der „Enge“ und den Spezifika, die ein großes Theaterhaus in sich birgt.
Bei Andreas Hueck klingt auch im Jubiläumsjahr die ungebrochene Leidenschaft zum Theaterspielen in seinen Worte durch. Und nicht nur er trägt diese offenbar in sich. Zum „Poetenpack“ gehört neben ihm ein festes achtköpfiges Organisationsteam. Hinzu kommen etwa 50 freie Schauspielakteure, die ein „großes Geschenk“ seien, so Andreas Hueck, „viele gute Leute, die für zu wenig Geld auf der Bühne stehen.“

Optimismus und Leidenschaft
Die „Zimmerbühne“ wird nun für ein Jahr ein Ort, um ein wenig Sesshaftigkeit zu probieren. Die erste Premiere findet hier am 4. April mit „Biedermann und die Brandstifter“ statt. Gleichzeitig bleibt sich das „Poetenpack“ weiterhin selbst treu und lebt das Nischendasein. So beseelen sie wieder sommerreif das Heckentheater am Neuen Palais oder den Q-Hof und sind aber auch im T-Werk zu erleben. Auch das Projekt „Theater als Erfahrungsraum“ wird weitergeführt. Hier treffen junge Laien-Schauspieler auf professionelle und stehen gemeinsam auf der Bühne. Weitere Informationen zu Premieren oder Spielprogramm gibt es im Internet unter www.theater-poetenpack.de. (ela)

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