“Effi Briest“ feierte Premiere

Entstaubt auf der Sommerbühne

In den Rollen: Peter Pagel (Herr von Briest), Marianna Linden (Hulda), Denia Nironen (Effi Briest), Friedemann Eckert (Geheimrat Wüllersdorf), Meike Finck (Luise von Briest). Foto: HL Böhme

Potsdam. Ein Höhepunkt im Potsdamer Kultursommer ist auch 2018 wieder die große Sommer-Open-Air-Produktion des Hans Otto Theaters. Im historischen Gasometer kann sich das Publikum auf eine Begegnung mit der wohl bekanntesten Frauenfigur Theodor Fontanes freuen, mit Effi Briest. Der Menschenkenner Fontane erzählt darin von dem Versuch einer jungen Frau, selbstbestimmt zu leben, von Liebe und Freiheit: Effi, Tochter aus gutem Haus, wird von ihren Eltern 17-jährig mit dem karrierebewussten 20 Jahre älteren Baron von Innstetten verheiratet. Er war einst in seinen jungen Jahren in Luise, Effis Mutter, verliebt. Die Jugendliebe hatte keine Chance - doch die Hand ihrer Tochter schlägt Luise dem Baron nun nicht aus. Effi, kindlich, ohne rechte Vorstellung von der Ehe und vor allem, ohne wahre Gefühle für den steifen Innstetten aufbringen zu können, folgt ihrem Gatten in dessen Provinzstädtchen. Dort oft alleingelassen - Innstetten befindet sich häufig auf Dienstreisen -, beginnt das junge Mädchen eine Affäre mit dem als Frauenheld bekannten Major Crampas, der urtümlich von einer Schiffsreise quasi in das Leben der Effi beziehungsweise auf die Bühne gespült wurde.  
Jahre später, Effi hat sich längst mit ihrer Ehe arrangiert, erfährt Innstetten von diesem „Fehltritt“. Einem altmodischen Ehrenkodex fast zwanghaft folgend, vermag er nicht, Effi zu verzeihen: Innstetten tötet den verflossenen Liebhaber und verstößt seine junge Frau. Die „arme Effi“, wie Theodor Fontane liebevoll und treffend seine berühmte Romanfigur nannte, zählt zu den eindrucksvollsten Frauengestalten der deutschen Dichtung. Bis heute hat der Stoff nichts von seiner Aktualität eingebüßt, greift er doch Fragen auf, die uns heute noch genauso bewegen: Fragen von Moral und Glück, von Verantwortung und Schuld, von überkommenen Konventionen und gesellschaftlichen Umbrüchen.
Das Hans Otto Theater zeigt „Effi Briest“ in einer entstaubten Fassung, die sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche geeignet ist. Regisseur Christian von Treskow bringt den Literaturklassiker mit Blick auf das Jubiläum „fontane.200“ neu auf die Bühne, in der Titelrolle ist Denia Nironen zu erleben. Insgesamt gibt es zehn Termine im Juni. Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Mit etwas Glück gibt es Restkarten an der Abendkasse. Jedes Jahr zum Sommerbeginn verwandelt das Hans Otto Theater den denkmalgeschützten Gasometer am Neuen Theater in eine Open-Air-Bühne und begeistert das Publikum mit Aufführungen unter dem Sternenhimmel. Dazu gibt es eine Sommer-Bar mit erfrischenden Getränken und kleinen Snacks – einem angeregten Theatervergnügen steht also nichts mehr im Wege. (ela)

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