Die Eichhörnchenhilfe Falkensee im Portrait

Die Eichhörnchenhilfe Falkensee im Portrait

Karin Grusdats Waisen- und Krankenhaus für Eichhörnchen durchlaufen im Schnitt um die 80 Tiere pro Jahr. Foto: Eichhörnchenhilfe Falkensee

Falkensee.

Seit 19 Jahren widmet sich  sich Karin Grusdat den Hörnchen, wie sie es nennt. Dazu gehören schwarze Hörnchen, die falbenfarbigen, die braunen und die allseits bekannten roten Eichhörnchen. „Ich habe mir ein Leben lang vorgestellt, ich mache Wildtierschutz, wenn ich alt bin.“, erzählt sie. Gesagt, getan – pro Jahr peppelt sie auf ihrem großen Naturgrundstück in Falkensee mit finanziellen Mitteln aus der eigenen Tasche um die 80 Hörnchen auf. „Das Grundstück haben die Hörnchen inzwischen voll im Griff, überall wachsen Wallnuss- und Haselnussbäume.“, erklärt  sie amüsiert. Zu Karin Grusdat werden die kleinen, mutterlosen Eichhörnchen ebenso wie die verletzten gebracht. „Wir sind ein Waisenhaus und ein Krankenhaus.“ Während des Interviews sitzt sie zwischen den 21 Jungtieren, die alle drei Stunden gefüttert werden wollen. Es ist ein Fulltimejob, dem die inzwischen 70-Jährige nach all den Jahren aber immer noch vollen Herzens nachgeht. 

Was beim Fund zu tun ist
Aber worauf sollte beim Fund und der Erstversorgung eines Hörnchens überhaupt geachtet werden? „Das Tier sofort sichern und in einen Pappkaron  einpacken! Mit einem Handtuch, bei dem Wetter ohne Wärmflasche, aber bei kälteren Temperaturen sollte eine PET-Flasche mit warmem Wasser dazu gelegt werden. Dann hat es das Hörnchen warm und dunkel, sodass es Ruhe gibt. Und dann sollte am besten irgendeine Eichhörnchenstation angerufen werden. Wir können sie untersuchen und wir können sie behandeln.“, fasst Grusdat zusammen. Wichtig ist es vor allem, das Hörnchen nicht erst drei Tage versuchsweise zu Hause zu behalten, wo es dann irgendeine Katzen-Babymilch zugeführt bekommt. „Dann hat das Tier nämlich ein Problem: Abgewöhnung von der Milch, Aufregung und zu viel Stress. Und Hörnchen können Aufregung nur ganz schlecht vertragen, dann werden sie schneller krank.“ Auch bei Hörnchen, die ungewöhnlich zutraulich sind und dem Menschen hinterherlaufen sollten die Alarmglocken schrillen. Da die Tiere naturgemäß Fluchttiere sind, weist dieses Verhalten auf Unstimmigkeiten hin. „Das sind dann meistens junge Hörnchen. Die sagen dann quasi: Ich habe keine Mama mehr, helft mir bitte. Wenn das Hörnchen dann hochgenommen und dann wieder auf den Ast gesetzt wird, dann ist das das Todesurteil.“ Auch dann heißt es wieder: Einpacken und schnellstmöglich zur Auffangstation. 

Auch im Klimawandel und der verlängerten warmen Jahreszeit sieht Grusdat als problematisch an. „Da fallen dann die ersten Babys im März aus dem Baum, und es hört erst im Dezember auf.“ Vor allem durch die Überschneidung mit der Baumfällsaison kommen immer kleinere Hörnchen in die Auffangstation. „Wenn die Hörnchen geboren werden, sind sie so groß wie eine Hummel. Es dauert 14 Tage, bis die Haare kommen. Und erst in der vierten Woche werden die Augen geöffnet.“ Die Überlebenschance für die ganz kleinen Hörnchen ist gering. „Ab und zu kriegen wir mal ein paar dieser nackten Hörnchen durch. Aber der Aufwand ist enorm, weil dann ist alle halbe Stunde Fütterzeit.“

Zurück in die Wildnis
Wenn die Hörnchen dann aber so weit sind, versucht Grusdat sie zu ähnlichen  Zeitpunkten wie die Mutter stufenweise wieder in die Freiheit zu entlassen. „Die Kinder kommen ungefähr in der 11. Woche in die Gartenvolieren. Dann wird beobachtet, wie sie sich einzeln verhalten und wie sie sich entwickelt haben.“ Den natürlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt lernen die Hörnchen dann kalt und warm, hell und dunkel sowie auch Regen und Sturm kennen. Nach drei bis vier Wochen öffnet Grusdat dann das letzte Türchen. „Dann schwärmen sie aus. Manche hauen gleich ab und bauen sich irgendwo anders was, der nächste sagt: ich bin doch nicht doof, hier gibt’s schönes Futter, und kommt jeden Tag zurück in die Voliere um sich sein Futter zu holen und haut dann wieder ab. Wieder andere trauen sich gar nicht richtig hinaus und kommen jeden Abend zum Schlafen wieder. Das ist so verschieden wie bei Menschen.“

Unterstützung in Form von finanziellen Spenden oder auch Nüssen sind immer gern gesehen. „Die Station kostet im Jahr um die 4000 Euro. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, sich um die Haustiere zu kümmern und ab einer bestimmten Einwohnerzahl auch Tierheime zu bauen und Tierheime zu unterstützen. Die Wildtiere bleiben außen vor.“ Inzwischen hat Grusdat sich auf Anraten anderer Tierschützer eine Facebook-Seite zugelegt, wo sie nicht nur ihr Projekt vorstellt, sondern auch einen Spendenaufruf gestartet hat. „Das empfinde ich ein bisschen als Betteln, aber andererseits ist es eine notwendige Sache.“ Dennoch reichen die Spenden nicht aus, um die laufenden Ausgaben zu decken. „Ich gehöre zur lokalen Agenda. Die Eichhörnchengruppe ist in die Umweltgruppe integriert worden. So können wir offiziell sagen: ihr könnt uns unterstützen. Es ist schon hilfreich, aber uns fehlen so zwei, drei größere Firmen, die größere Summen spenden.“ Ansonsten bietet Grusdat auch Patenschaften in der Summe von zehn Euro pro Monat für behinderte Eichhörnchen an, die nicht mehr ausgewildert werden können. 

„Ich wohne allein auf dem Grundstück, aber ich habe Helfer, die mir bei der Öffentlichkeitsarbeit unter die Arme greifen, zwei bis drei Mal im Jahr etwas Büroarbeit abnehmen oder auch mal zum Putzen kommen.  Es wird immer gesagt: mach doch was mit Kindern und Jugendlichen. Aber das ist nicht so einfach. Die kleinen Kinder sind einfach zu klein, und Eichhörnchen sind keine Kuscheltiere sondern Wildtiere, die stinken. Und die Jugendlichen stellen sich vor, dass sie ein kleines Hörnchen mit Milchspritze in die Hand kriegen. Aber leider sind 90 Prozent der Arbeit Putzarbeiten.“ 

Wen das nicht abschreckt, der ist trotzdem gerne eingeladen, die Station kennen zu lernen und mit anzupacken. Weitere Informationen sind unter www.facebook.com/eichhoernchenhilfefalkensee/ zu finden.

(jk)

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