Zurück in die Steinzeit

Zurück in die Steinzeit

Ein Besuch im Eigenheim: Michelle, Charlotte, Viktoria und Co hätten gern eine Nacht in ihrer selbst gebauten Waldhütte verbracht. Foto: Janna Kühne

Brieselang.

Brieselang. Hütten bauen, Bogenschießen, Feuer machen - in der Alten Försterei in Brieselang konnten die Schüler der siebten Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums in Falkensee vergangene Woche eher ungewöhnlichen Dingen auf den Grund gehen. Im „Steinzeit-Camp“ wurde der komplette Gegenentwurf zur Digitalisierung gewagt. Das bedeutet: Smartphones bleiben in der Tasche, es wird das genutzt, was die Natur so hergibt und anstatt von Gebrauchsanweisungen soll einmal selbst herumprobiert werden. Das heißt dann auch mal, dass es eben eine Steinzeit-Kohlsuppe als Hauptmahlzeit gibt. „Wenn es mal richtig gut läuft, dann kriegen sie vielleicht auch mal eine richtige Kartoffel.“, lacht Projektverantwortliche Dina Radtke. „Wir haben vorhin darüber gesprochen, dass die Kartoffel eigentlich gar kein heimisches Gemüse ist.“ Richtig, die wurde erst im 18. Jahrhundert in Deutschland gesichtet. Und wie ist es sonst um die praktischen Kochkünste der Jugendlichen bestellt? „Die Essensgruppe kriegt eigentlich immer bloß ein Rezept in die Hand gedrückt. Wir fangen an mit Kohl und Gewürzen, was der Garten so bietet. Dann dürfen sie herausfinden, was das denn überhaupt ist. Spannend ist dann auch immer der Weißkohl. Da habe ich schon oft gehört: Ist das ein Eisbergsalat? Oder: ich weiß nicht, wie man eine Kartoffel schält. Die Schüler machen dann aber wirklich fast alles. Und dann sind sie selber für das Essen verantwortlich. Sie können jederzeit Fragen stellen. Und dann wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“, erzählt Radtke. Zum Essen machen gehört dann im Anschluss auch das fachgerechte Entsorgen der Essensreste. „Essensreste, die gekocht sind, müssen vergraben werden. Für das andere gibt es einen Komposthaufen. Da muss dann überlegt werden.“ 

Neben der Essensgruppe gibt es noch die Feuergruppe, die Jagdgruppe und die Hüttengruppe. Jeden Tag wird rotiert und ein anderes Feld kann erkundet werden. Im Wald sägen Maurice und Finja unter Aufsicht der Lehrerin einzelne Hölzer, die sie im Wald gefunden haben, für ihre schon als solche erkennbare Hütte zurecht. Alles, was der Wald so bietet, steht den Zwölf- und Dreizehnjährigen als Baumaterial zur Verfügung. 

„Wir hatte schon ganz tolle Hütten, wirklich mit Dächern und kleinen Vorgärten.“, so Radtke. „Wir sollen immer darauf achten, dass keine Tierhöhlen auf dem Bauplatz sind.“, teilt Michelle  mit. In den vergangenen Jahren stellte eine Übernachtung in den selbst zusammen gezimmerten Hütten das  Highlight der Woche dar. Aufgrund des Unwetters war das dieses Jahr leider nicht möglich. „Ich habe Angst vor Spinnen. Aber wir alle denken, dass es Spaß gemacht hätte.“, bedauert Viktoria. Den Herausforderungen der archaischen Hilfsmitteln stellte sich die 13-Jährige auch beim Feuermachen tapfer. „Es war kompliziert. Am Anfang ging es nicht so gut. Das Feuer ist dann sofort wieder ausgegangen. Aber nach vielen Versuchen haben wir es dann geschafft. Wir mussten immer wieder neues, trockenes Gras suchen.“ Mit einem Magnesiumstab und Feuersteinen wird ja schließlich auch nur noch selten geheizt. „Die Schüler sollen das dann möglichst selbstständig machen. Wir greifen nur ein, wenn Gefahr im Verzug ist. Weil sie müssen auch die Zusammenhänge begreifen. Kein Feuer, kein Essen.“, so Radtke. Die Jagdgruppe ist allerdings nicht dafür verantwortlich, wirklich Fleisch in den Topf zu bringen. Hier werden stattdessen Speere geschnitzt und das Schießen mithilfe von Pfeil und Bogen geübt. 

Das Camp findet dieses Jahr unter dem Überthema BNE-Projekt (Bildung mit nachhaltiger Entwicklung) bereits zum zehnten Mal unter der Leitung von Dina  Radtke und Volker Kademann statt. 

„Es gibt da so ein waldpädagogisches Buch. Und da hat Herr Kademann maßgeblich zur Entwicklung beigetragen. Am LMG wurde damals ein Test durchgeführt. Er hat mich dann gefragt, ob sich eine Klasse bereit stellen würde, das mal zu testen. Und da haben wir dann noch ein bisschen was ausgefeilt.“, erinnert sich Radtke. Gemeinsam entwickelten die beiden ein Konzept – was funktioniert, was funktioniert nicht. 

Neben den verschiedenen Gruppentätigkeiten wird der Tagesablauf mit Spielen, welche die Geschicklichkeit und das Teamwork fördern, aufgepeppt. „Gestern mussten die Schüler beispielsweise ein Ei mit Naturmaterialien verpacken. Das wurde dann aus vier Metern Höhe fallen gelassen und sollte heil unten ankommen. Drei Gruppen ist es gelungen, eine Gruppe hat das Ei schon beim Suchen der Naturmaterialien geschrottet.“, berichtet Radtke. 

Spaß scheinen die jungen Neu-Steinzeitler auf jeden Fall zu haben, auch wenn Wasser schleppen und Gemüse schneiden zunächst einmal unbequem erscheint. „Wir haben hier auch mehr mit anderen gemacht, mit denen man sonst nicht so viel redet. Wir sind in den Gruppen spontan zusammengemischt worden.“, berichtet Viktoria. „Morgen werden wir nochmal so speziell den Tisch decken, mit Farnen.“, ergänzt Michelle. „Bisher hat das alles ganz wunderbar funktioniert. Die Klasse ist sehr harmonisch.“, bilanziert auch Radtke zufrieden.jk

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