Viel besser als der Ruf

Viel besser als der Ruf

Foto: Agro Farm Nauen

Nauen.
Als Vertretung der ortsansässigen Landwirte hat der Kreisbauernverband Havelland e.V. es sich zur Aufgabe gemacht, für deren Probleme und Anliegen einzustehen. Gar nicht mal so einfach, findet Dirk Peters, denn momentan hat der Verein es mit einem regelrechten Bauernbashing zu tun. „Uns wir kein Vertrauen mehr geschenkt.“, kritisiert er. „Der Frust ist groß. Die Auflagen werden immer strenger und die Akzeptanz in der Gesellschaft hingegen immer schlechter.“ Der Ausweg aus diesem Teufelskreis? „Wir müssen die Akzeptanz wiederherstellen und das Image auffrischen. Wir müssen aufklären und die Leute auf den Hof lassen.“ 
Verschlossene Tore waren gestern, wer heute als Landwirt bestehen möchte, der setzt auf Transparenz. „Wir haben ja nichts zu verbergen! Die Masse der Landwirte macht eine gute, fachliche Praxis.“, so Peters. Diese Schiene fährt er selbst auch auf der Agro Farm Nauen, einem modernen Landwirtschaftsbetrieb. Vergangenes Jahr nahm der Hof beispielsweise an der Landpartie teil. „Das hat richtig Spaß gemacht. Jetzt findet in den Landwirtschaftsbetrieben ein Stück weit ein Generationswechsel statt, und so findet auch ein Wandel in den Köpfen der Bauern statt. Jeder Verbraucher ist bei uns im Betrieb herzlich willkommen und kann sich alles erklären lassen. Aufklären und die Leute mitnehmen ist das Geheimrezept.“ Im April waren auf der Agro Farm außerdem erstmals 40 Lehrerinnen und Lehrer zu Gast, die sich über die moderne Landwirtschaft informierten. „Es ist erschreckend, wie wenig Wissen über die Landwirtschaft eigentlich vorhanden ist. Beispielsweise in Mathe-Schulbüchern: Da ging es in einer Aufgabe immer noch um Käfighaltung, obwohl diese bereits seit acht, neun Jahren verboten ist.“ Also, liebe Verbraucher: rauf an den Hof und ran an die Realität. De Fakto heißt das auch Einkaufen im Hofladen, wo die Stamm-
imker der Region ihre Honigsorten zum Verkauf stellen, Marmelade und auch regionales Fleisch, Gemüse und Obst angeboten werden. „Das wird immer besser angenommen.“
Die Nachfrage nach regionalen Produkten wächst zudem stetig, wie der jüngst eröffnete Frischemarkt in Nauen zeigt. Peters wittert auch hier die Chance,  die regionalen Anbieter in aller Munde zu bringen. „Wir brauchen auch ein bisschen Hilfe aus der Gesellschaft.“, erklärt der Landwirt.
Die Stärke, welche die Landwirte aus der Interessengemeinschaft ziehen, lässt sie den stetig neuen Herausforderungen entgegentreten. Und Herausforderungen gibt es viele: angefangen bei den klimatischen Veränderungen, die die Bauern  an ihr Existenzminimum treiben. „Fakt ist, irgendetwas ist hier im Gange. 2017 abgesoffen, letztes Jahr vertrocknet. Und wenn ich mir dieses Jahr anschaue, dann sieht es auch nach einem trockenen Sommer aus.“ Auch in Sachen Biodiversität und Nachhaltigkeit möchte der Verband nicht untätig bleiben. „Wir nehmen das sehr ernst. Aktuell sind es vor allem die Themen Bienenwiesen und Blühstreifen. Die Landwirte machen das schon seit Jahren, aber wir nennen das dann Sommerzwischenfrucht oder Winterzwischenfrucht. Jeder Landwirt ist bestrebt, seinen Acker nicht monatelang brachliegen zu lassen.“ Momentan wird an etlichen Projekten geforscht. Peters hebt vor allem das FRANZ-Projekt in Kooperation mit dem Bundes-Landwirtschafts- und Bundesumweltministerium sowie das ZALF-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Leibnitz-Institut  hervor. „Kurz gesagt heißt das, wir machen verschiedene Projekte und versuchen, praxistaugliche Varianten auf dem Acker zu ertesten und diese dann an die Landwirte zu übergeben.“ Ein aktuelles Beispiel: Es wird an Blühmischungen geforscht, die als Zweitfrucht ausgesät werden können und speziell den Bodenanforderungen und dem Klima angepasst sind. „Wenn wir es jetzt noch hinkriegen, dass die Saat dann nachher als Futter für die Tiere oder die Biogasanlage verwendet werden kann, dann haben wir richtig was geschafft.“
Die Balance zwischen den Auflagen und dem Instandhalten des Betriebs erfordern gute Ideen und starke Nerven. Peters benennt das Thema Düngemittelverordnung: „Vor zwei Jahren gab es eine Novellierung, und die Bauern haben sich darauf eingestellt und ihre Betriebe zum Teil auch umgestellt. Nun heißt es: die Verordnung wird noch einmal überarbeitet. Es fehlt von der politischen Seite einfach die Konsolidierung.“ 
(jk)

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