Zu gut für die Tonne

Zu gut für die Tonne

Falkensee.
Wer in Zukunft den Finkenkruger Jugendclub passiert, kommt an den knallbunten Holzfrüchten nicht mehr vorbei.  Die Aufsteller sollen auf den Essensverteiler im Haus aufmerksam machen, der dem Problem der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken soll. 
Das Prinzip ist einfach: Wer zu viel hat, der gibt ab. So soll verhindert werden, dass Lebensmittel schlecht werden. „Wenn man im Sommer zum Beispiel zu viele Äpfel am Baum hat, dann können die zum Essensverteiler gebracht werden. Dann kann jemand anderes sie abholen und daraus Marmelade kochen. Und wenn davon auch zu viel da ist kann sie wieder da reingestellt werden.“, erklärt Franka Geiser. Sie und ihre Studienkollegin Ann Bahrs haben gemeinsam mit dem Haus am Anger und der Aktion Gesunde Umwelt die Krummen Fruchtretter*innen ins Leben gerufen, die sich auf kreative Art und Weise dem Thema annehmen. „Wir haben schnell gemerkt, dass das Thema so vielseitig und interessant ist und haben dann angefangen, ein Buch mit Drucken dazu zu machen. Auch in der Holzwerkstatt ist viel entstanden und ein Improvisationstheaterstück gab es auch.“, erzählt Geiser. Für die Kinder war es schwer zu begreifen, dass Lebensmittel wegen einer falschen Form oder Farbe nicht mehr verkauft werden können und oft in der Tonne landen. „Und das sind häufig Lebensmittel, die schon um den ganzen Kontinent gereist sind – nur um dann weggeworfen zu werden.“ 
Der Höhepunkt der Aktion war bisher der 20. Februar, wo die beiden Fruchtretterinnen gemeinsam mit Familien und Interessierten für den Finkenkruger Essensverteiler warben, indem sie mit zum Abfall degradierten Lebensmitteln kochten. Mit dieser Aktion konnten Geiser und Bahrs zeigen, dass Lebensmittel trotz brauner Stellen und nicht ganz perfekter Optik sehr wohl noch verwertet werden können. „Für die Veranstaltung hat der Denn‘s Supermarkt Essen gespendet, die alle nicht mehr verkauft werden konnten. Das waren alles ganz wunderbare Lebensmittel.“ 
Noch wird der Lebensmittelverteiler nicht gut angenommen, da wenige Falkenseer um seine Existenz wissen. Das soll sich nun jedoch ändern, da die kreativen Auswüchse der Kinder in Postkartenform seit vergangenem Mittwoch in Falkensee kursieren und für den Verteiler werben. Da das Projekt sich an Privatpersonen richtet, soll so für eine bessere Einbindung des Verteilers gesorgt werden. „Manchmal bringen Leute Lebensmittel hin aber niemand weiß, dass es den Verteiler gibt und dann werden sie schlecht.“
Und wie kann Lebensmittelverschwendung weiterhin vermieden werden? Franka Geiser erklärt, wo die Achtsamkeit anfängt: „Allgemein sollte das Mindesthaltbarkeitsdatum nur als Richtlinie gesehen werden. Auch beim Kauf sollte man nicht nur die schönsten und geradesten Lebensmittel auswählen und auch nicht nur Großpakete kaufen. Wenn etwas matschig ist kann man Marmelade kochen oder einen Milchshake machen. Oder man gibt eben frühzeitig Lebensmittel ab oder lädt Freunde ein.“

Seit dem gemeinsamen Kochen ist die Nachfrage groß, daher haben die Krummen Fruchtretter*innen beschlossen, weiterzumachen. Weitere Kochtreffen sind in Planung, frei nach dem Motto „Zu gut für die Tonne“. Im Idealfall sollen auch noch weitere Lebensmittelverteiler entstehen. „Das ist unser Hauptwunsch.“, verkündet Geiser. „Nicht nur über die Themen zu informieren, sondern auch, dass etwas entsteht.“

(jk)

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