Der Reiz des Regionalen

Der Reiz des Regionalen

Rosenkohl wird hauptsächlich in den Herbst- und Wintermonaten geerntet und passt daher auch in der kalten Jahreszeit gut auf den Teller. Außerdem enthält er viel Vitamin A und C und ist reich an Mineralstoffen wie Eisen, Kalium, Kalzium und Magnesium. Foto: Janna Kühne

Nauen.

„Wer weiter denkt, kauft näher ein“ ist der Schlachtruf der Verfechter von regionalen Produkten. Laut des Ernährungsreports des Bundesinnenministeriums ist die Regionalität mit 73 Prozent das wichtigste Kaufkriterium nach dem persönlichen Geschmack, der auf unschlagbare 97 Prozent kommt. Das Konzept der Regionalität scheint nun beim Verbraucher angekommen zu sein. „Neben der Frische und der hohen Qualität die wir von regionalen Produkten erwarten spielt natürlich auch  das Unterstützen der regionalen Erzeuger und Verarbeiter eine große Rolle.,“, erklärt Ilonka Sindel vom Bundesverband Regionalbewegung. Der Bundesverband vertritt die Interessen der regionalen Vermarktungsinitiativen und versucht sich für einheitliche Qualitätsrichtlinien einzusetzen, um den ratlosen Kunden vorm Supermarktregal Entscheidungshilfen an die Hand zu geben. Denn leider ist  Regionalität nicht automatisch mit Qualität gleichzusetzen. Vielmehr kommt es auch hier auf die einzelnen Betriebe an, vor allem im Bereich Obst und Gemüse.  Unter anderem soll es standardisiert werden, auf Pestizide zu verzichten, ohne Gentechnik zu produzieren und die einzelnen Produktionsschritte transparent zu machen. Denn nur weil „Mit heimischen Früchten“ auf dem Etikett steht, ist das lange noch keine Garantie dafür, dass die Früchte nicht trotzdem aus Südeuropa importiert werden.

Woran kann man mit Sicherheit die Regionalität eines Produkts festmachen?

Noch ist es leider so, dass jeder sich seine eigene Definition von Regionalität nach Belieben zurechtlegen kann, sehr zum Nachteil der glaubwürdigen regionalen Produzenten. In dem Modellprojekt  „Geprüfte Regionalität“ versuchte sich der Verband in der Entwicklung von produktspezifischen Basiskriterien, um Regionalität  einheitlich zu definieren. Ähnlich wie es inzwischen beim Bio-Siegel gelungen ist soll das Wort „regional“ einige Qualitätsmerkmale sicherstellen. Denn zu differenzieren ist schwer: Was entstammt wirklich einem geschlossenen regionalen Wirtschaftskreislauf und welche Lebensmittel kommen tatsächlich aus der Region? Wo erfolgte der letzte Produktionsschritt? 

Das Modellprojekt erzielte gute Ergebnisse und im Prinzip stünden Siegel und Richtlinien zum Einsatz bereit. Das Problem: Die Regionalitätsbranche besteht aus kleinen und mittelgroßen Betrieben, die sich die Markteinführung nicht leisten können. Daher läuft aktuell die Suche nach entsprechenden Fördermitteln, welche die  Umsetzung ermöglichen sollen. Ebenfalls schwierig stellt sich die Reaktion der Lebensmittelindustrie dar, da diese dadurch noch mehr Einschränkungen in Kauf nehmen müsste.


Welche Vorteile haben regionale Produkte?

Dennoch lohnt es sich, regional zu denken, denn umweltfreundlich und sozial müssen im selben Atemzug mitgedacht werden. Die kleinen Betriebe zu unterstützen bedeutet, das Ein- und Auskommen in der Region zu sichern. Dadurch steigt die Lebensqualität, vor allem im ländlichen Teil des Landes. Außerdem kann auf umweltbelastende und aufwändige Transportwege verzichtet werden und das Klima wird geschont.

Auch aus Erzeugersicht lohnt es sich, sich regional zu orientieren. Neben dem Vertrieb auf kurzem Weg versprechen diese sich vor allem einen hohen Markterfolg und somit auch einen höheren Umsatz. Denn Verbraucherumfragen belegen es: Für regionale Produkte greifen die Kunden gerne auch mal tiefer in die Tasche. 

Worauf sollte beim Einkauf geachtet werden?

Vor allem sollten Kunden im Angesicht des gigantischen Angebots nicht die guten Vorsätze vergessen. „Viele Initiativen haben das Problem, dass sie in ihrer Region ein sehr gutes Standing haben. Aber dass das eigentliche Handeln am Point of Sale dann doch ein anderes ist. Also dass die Leute dann doch  im anonymen Supermarkt einkaufen und eben nicht genau darauf achten, auch ihrer Initiative vor Ort entsprechend einzukaufen. Was möglicherweise auch ein bisschen mühsamer ist.“, so Sindel.  Eine verlässliche Auskunft zur Herkunft eines Produkts kann nicht nur in Hofläden oder Wochenmärkten erwartet werden. Auch im Supermarkt lohnt es sich nachzufragen und das Etikett genau zu lesen. FSo kann herausgefunden werden, welcher Hersteller hinter den Lebensmitteln steckt. Im Internet können Verbraucher sich unter regioportal.regionalbewegung.de/aktuelles/ informieren, welche Regionalmarken in ihrer Region vertreten sind und wo die Lebensmittel erworben werden können. Vorsicht auch bei Wochenmärkten: Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg zeigte, dass beispielsweise Südfrüchte als regional betitelt wurden. „Da appellieren wir auch an den gesunden Menschenverstand. Es ist schon auch so, dass man bei den Wochenmarktbeschickern genau hingucken muss. Allerdings muss  auch noch zwischen einem Wochenmarkt und einem tatsächlichen Bauernmarkt differenziert werden.“, erläutert Sindel.

Wo finden sich regionale Produkte im Raum Nauen/Falkensee?

Auch im Raum Nauen/Falkensee kommen Kunden in den Genuss regionaler Lebensmittel. Wer im Supermarkt zur Marke „Von hier“ greift, kann sich sicher sein, dass es sich um regionaler Lebensmittel von kleinen Herstellern in Brandenburg und Berlin handelt. Auf Rixmanns Hof in Linum können Erdbeeren, Kürbis, Topinambur, Obst und Gemüse, Marmeladen, Gelees, Chutneys, Liköre, Sirup, Essig, Öl und andere hausgemachte Spezialitäten direkt auf dem Hof erworben werden. Gemeinsam mit zwei Gärtnern probiert die Gemeinschaft auf dem Spörgelhof eine solidarische Ökonomie zu leben. Der Hof mit seinen ca. 1,1 Hektar Ackerfläche liegt 30 Kilometer nordöstlich von Berlin, nahe Bernau. 

Und wer es ganz besonders frisch mag: Quasi direkt von der Kuh in die Flasche kann an der Milchtankstelle Tietzow für 70 Cent eine Flasche Milch gekauft  werden oder in ein mitgebrachtes Gefäß Milch abgefüllt werden. 15 bis 80 Liter werden pro Tag abgezapft. Und die Herkunft der Milch kann nebenan auf der Weide beobachtet werden.

(jk)

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