Die Landkarte der Unterversorgung

Foto: Steffen Deubner / pixelio.de

Nauen.
Nauen. Mit der Landkarte der Unterversorgung hat der Deutsche Hebammenverband inzwischen eine Karte ins Netz gestellt, die über Kreißsaalschließungen informiert. Das hört sich genauso drastisch an, wie es tatsächlich auch ist: Aufgrund von erheblichem Personalmangel machen in Deutschland landesweit die Kreißsäle dicht. 1991 gab es noch 1186 Kliniken mit Geburtenstationen, 2014 waren es nur noch 725. Und seitdem schließt etwa monatlich ein weiterer Kreißsaal - unter anderem auch in den Havellandkliniken. Eine Hebamme abzubekommen gleicht der berühmten Nadel im Heuhaufen. Frauen müssen sich mittlerweile schon unmittelbar nach dem positiven Schwangerschaftstest um eine Hebamme kümmern, die sie zu Hause betreut. Wie kann in die Zukunft geblickt werden, und wo wurzeln die Problematiken?
Grund für den Hebammenmangel sind unter anderem die schlechten Arbeitsbedingungen, angefangen bei den nun einmal nicht planbaren Einsatzzeiten bis hin zu den steigenden Haftpflichversicherungen. Letztere stiegen seit 2007 um das Fünffache und sollen freiberufliche Hebammen absichern, falls diese einmal Geburtsschäden zu verantworten haben. „Hebammen im Klinikbereich haben es, wie die anderen Pflegekräfte auch, mit einer sehr herausfordernden Arbeitssituation zu tun. Sie müssen rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche und das 365 Tage im Jahr Dienste absichern. Es ist nicht so einfach, das mit einem Familienleben zu koordinieren. Auch ausbildungsseitig wird mehr gebraucht, wir haben eine zu kleine Schar zur Verfügung stehender Auszubildender und letzten Endes dann auch zu wenig Fachkräfte. Und ich glaube, dass das in Zeiten, wo Work-Life-Balance eine große Rolle spielt, auch schwieriger ist, so ein Wechselschichtmodell rund um die Uhr mitzumachen.“, erläutert Dr. Babette Dietrich, die Pressesprecherin der Havelland-Kliniken. 
Zwei von fünf Hebammen kündigten zu Anfang der Woche, in der die Havelland-Kliniken die Hiobsbotschaft mitteilten. Die Versorgung war so nicht mehr qualitativ gesichert und die verantwortungsbewusste Entscheidung den werdenden Müttern gegenüber war es, für klare Verhältnisse zu sorgen. Momentan stehen die so, dass eine qualifizierte Betreuung während der Schwangerschaft in Nauen nach wie vor möglich ist, aber das volle Programm  inklusive Entbindung nur am Standort Rathenow gesichert werden kann.
 Erstrebenswert wäre es also, den Hebammenberuf wieder attraktiver zu machen, um den Nachwuchs anzulocken und qualifizierte Mitarbeiter zu halten. Erste Versuche wurden mit dem Koalitionsbeschluss, die Hebammenausbildung zu einem akademischen Beruf zu machen, in die Wege geleitet. Das allein ist für Dietrich aber nicht des Rätsels Lösung. „Das kann ein Beitrag sein, weil es ja auch darum geht, dass der Beruf mit anderen Berufen, die ein Stück weit mehr an Wertschätzung erfahren, gleichziehen kann – die Pflege auf Augenhöhe mit anderen Sparten. Dazu kann die Akademisierung sicherlich einen Beitrag leisten. Für allein problemlösend halte ich sie nicht.“ 
Bei der Klinikpolitik sieht Dietrich allerdings nicht die Schuld, denn die Schließung sei ein Schritt, der schweren Herzens beschlossen wurde. Sobald genügend Fachräfte aquiriert werden können, soll der 24-Stunden-Betrieb wieder aufgenommen werden.
Vielmehr spielt das Gesundheitswesen samt steigendender Bedarfskosten die problematischste Rolle in der Hebammenpolitik, welche nach wie vor ein emotionales Thema bleibt, welches dennoch zu wenig diskutiert wird.jk 

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