Das Ende einer Monarchie

Einblicke in verborgene Lebenswelten

Potsdam. Vor 100 Jahren, im November 1918, endete mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. Die preußische Monarchie. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs hatte weitreichende Folgen für Gesellschaft, Politik und die königlichen Schlösser und Gärten, wobei das Neue Palais in Potsdam eine besondere Rolle spielte.
Nach „Friederisiko“ im Jahr 2012 steht das Neue Palais in Potsdam erneut im Ausstellungsfokus. Vom 16. Juni bis 12. November 2018 präsentiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Schloss, zugleich bevorzugter Wohnsitz des letzten deutschen Kaisers, die Ausstellung „Kaiserdämmerung - Das Neue Palais 1918 zwischen Monarchie und Republik“.
Die Ausstellung umfasst 15 Stationen, die in den Besucherrundgang integriert sind. Eine Station erläutert die Bedeutung des Privatgartens des Kaiserpaares und ist in der Nähe des Antikentempels platziert. Briefauszüge, Listen der Einrichtungsgegenstände, die ins holländische Exil transportiert wurden und Fotografien sowie bedeutende Leihgaben aus dem niederländischen Exilort Huis Doorn vermitteln am authentischen Ort Stimmungsbilder. Es war eine dramatische Phase, in denen die Koffer gepackt, über Kunstwerke verhandelt, der Hofstaat versorgt und das Schloss neu organisiert werden mussten. So zeigte sich beispielsweise bei der Herausgabe der Einrichtungsgegenstände aus den preußischen Schlössern die neue preußische Staatsregierung großzügig. In den Jahren 1919 und 1920 wurden sechs Transporte mit Kunst- und Haushaltsgegenständen aus dem Berliner Schloss, dem Schloss Bellevue und dem Neuen Palais in die Niederlande verbracht. Die Freigabe des Vermögens war auf der Grundlage der Verordnung vom 28. November 1918 erfolgt, in der Wilhelm II. seinen Thronverzicht in der Erwartung vollzogen hatte, dass der Staat große Teile des Vermögens frei gibt. Im Einzelnen bestanden die Transporte aus 36 Möbelwagen, die auf 33 Eisenbahnwaggons verladen wurden. Hinzu kamen 30 Waggons mit Kunstwerken wie Gemälden, Porzellan und Silber. Eine zweite und noch viel umfangreichere Welle des Verlustes an Inventar hatte das Neue Palais im Oktober 1925 zu verzeichnen. Der Vertrag der Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Preußischen Staat und dem vormaligen Königshaus legte fest, dass dem Haus Hohenzollern alle von Wilhelm II. erworbenen Gegenstände, alle Objekte von familiengeschichtlichem Wert sowie persönliche Gebrauchsgegenstände überlassen werden. Die Anzahl der Gegenstände, die das Neue Palais im Herbst 1925 verließen, übertraf die Zahl der 63 Eisenbahnwaggons aus den Jahren 1919 und 1920 bei weitem. Wenn Besucher dann heute den einen oder anderen leeren Raum sehen, so erkläre sich „was alles abhanden gekommen war“, so Dr. Heinz Berg, Kommissarischer Generaldirektor der SPSG. 
Von 1918 bis 1927 dauerten die Verhandlungen, in denen die Besitzverhältnisse zwischen dem früheren Königshaus und dem preußischen Staat neu geregelt werden mussten. Schließlich wurde ein Gesetz verabschiedet, das unter anderem die Gründung der „Preußischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten“, Vorläufer der heutigen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, zum 1. April 1927 festlegte: Die Abdankung des Kaisers bedeutete für die Nutzung des Neuen Palais eine Zäsur. Aus Königsschlössern wurden Museen für jedermann.
Die Ausstellung „Kaiserdämmerung – Das Neue Palais 1918 zwischen Monarchie und Repubkik“ wird im Neuen Palais gezeigt. Geöffnet ist täglich außer dienstags von  10 bis 17.30 Uhr, ab 1. November bis 16.30 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Besuch der Ausstellung ist in den Besucherrundgang des Schlosses inte­griert. (ela)