Ein Tor im dezenten Licht

Ein Tor im dezenten Licht

Spuren der Vergangenheit: Roland Zurkuhlen erklärt das Sanierungsvorhaben. Foto: Lange

Sanierungsarbeiten am Brandenburger Tor

Während der umfangreichen Arbeiten ist das Tor eingerüstet und überdacht. Bis zum Abschluss der Baumaßnahme ist der Durchgang für Fußgänger nicht möglich. Foto: Lange

Potsdam. Bereits seit dem Herbst 2017 ist der Blick auf das Brandenburger Tor durch ein Gerüst verdeckt.  „Die Sanierungsarbeiten am Brandenburger Tor sind bereits weit vorangeschritten und werden voraussichtlich im September 2018 abgeschlossen sein“, heißt es aus der Potsdamer Stadtverwaltung. Anwohner sahen das anders. Sie konnten in der Vergangenheit nur Baustillstand beobachten. Im Beisein des Potsdamer Baubeigeordneten Bernd Rubelt, Mitarbeitern der Stadtverwaltung, der bauausführenden Firma und Pressevertretern fand am vergangenen Donnerstag dazu eine Baustellenbesichtigung statt.
„Das Bauwerk muss austrocknen“, erklärte Thomas Schenke von der Stadtverwaltung die „ruhige“ Baustelle. Geplant ist, die Säulen, Halbsäulen und Skulpturen an den Wänden und auf dem Dach wieder mit Ölfarbe streichen, wie es im original einst auch war. Die Farbe verschließe jedoch die Steinoberfläche. Sollte noch Wasser im Inneren sein, könnte es bei Frost frieren, die Farbe abblättern lassen. Im ungünstigeren Fall den Stein sogar sprengen. Der Sommer kann nun für die Ausbesserungs- und Anstricharbeiten genutzt werden.
 Die Instandsetzung wurde notwendig, weil bei Wartungskontrollen im Jahr 2016 erneut Schäden am Dach, an der Entwässerung sowie an den Putzflächen festgestellt wurden. Um die Schäden zu beseitigen, werden Putz- und Mauerwerksflächen überarbeitet, die Trophäen sowie alle Putz- und Sandsteinflächen gereinigt. Außerdem wird die gesamte Dachfläche abgedeckt und mit neuen und historischen Dachziegeln neu verlegt. Zum Abschluss der Arbeiten erhält das Tor eine neue Farbfassung. „Die Leute hatten den Eindruck, sie stünden vor einem Riesenbutterberg“, so Denkmalpfleger Roland Zurkuhlen. Man werde das Tor wieder so streichen wie zur Bauzeit: die vorspringenden Fassadenteile werden heller als die Wände, die tiefer liegenden dunkler, der plastische Dachschmuck weiß. Das Wappen mit dem Königsadler, die römische Jahreszahl und die Krone werden vergoldet. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für den Farbanstrich der Trophäen und der Putz- und Mauerwerksflächen oberhalb des Daches. Pa­rallel dazu werden Arbeiten an den Gipsstuckelementen und Sandsteingesimsen ausgeführt.
Die Sanierung bringt auch eine neue Beleuchtung des Tores. Die Durchgänge werden mit LED-Leuchten erhellt und dezent erstrahlen. Auch von außen wird das Tor beleuchtet. Dazu wird man in historischen Leuchten aufstellen, die in ihrem kegelförmigen Dach einen unauffälligen LED-Strahler integriert haben, der das Bauwerk flächig von vier Seiten erhellt. „Wir wollen es nicht als Ausnahmeobjekt inszenieren“, so Denkmalpfleger Roland Zurkuhlen.
Das Tor wurde zuletzt im Jahr 1993 umfassend saniert und restauriert. Die Kosten für die aktuellen Instandsetzungsarbeiten belaufen sich auf circa 400.000 Euro.
Das Brandenburger Tor am Luisenplatz in Potsdam steht am westlichen Ende der Brandenburger Straße, die in gerader Linie bis zur Kirche St. Peter und Paul verläuft. Seinen Namen erhielt es durch die am äußeren Vorplatz des Tores beginnende Landstraße zur Stadt Brandenburg. Der Vorgängerbau entstand im Zuge der zweiten Barocken Stadterweiterung im Jahr 1733 als Teil der Potsdamer Stadtmauer, die als Zoll- und Akzisemauer nicht der Befestigung diente, sondern die Desertion der Soldaten und den Schmuggel unterbinden sollte.
Nach Ende des Siebenjährigen Krieges wollte Friedrich der Große durch den Bau eines neuen prachtvollen Triumphtores den Aufstieg Preußens zu einer europäischen Großmacht symbolisieren. Dementsprechend wurde das neue Tor von Carl von Gontard und seinem Schüler Georg Christian Unger 1770/71 nach dem Vorbild eines römischen Triumphbogens gestaltet.
Charakteristisch für das Brandenburger Tor sind seine zwei vollständig unterschiedlich gestalteten Seiten. Die Stadtseite des Tores gestaltete Gontard als Putzfassade mit korinthisierenden Lisenen und Trophäen. Die von Unger entworfene Feldseite des Tores mit korinthischen Doppelsäulen sollte an den Konstantinbogen in Rom erinnern. Die hohe Attika des Tores ist mit ausladenden Kriegstrophäen und Wappenkartusche bekrönt. Die beiden seitlichen kleineren Durchgänge, in denen sich zuvor die Wachstube und die Räumlichkeiten für den königlichen Zoll befanden, wurden erst im 19. Jahrhundert unter Friedrich Wilhelm IV. geöffnet, um dem erhöhten Fußgängerverkehr gerecht zu werden. Mit dem Abriss der Stadtmauer zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tor ein freistehendes Bauwerk. (ela)