Für die Nachwelt aufbewahrt

Schlösserstiftung bezieht neues Kunstgutdepot

Gut aufbewahrt und sicher für die Nachwelt erhalten sind die wertvollen Möbel aus den preußischen Schlössern im neuen Depot. Fotos (2): sg

Ordnung muss sein: Hier steht alles wohlsortiert und dicht an dicht im Regal.

Potsdam. Preußische Kunstschätze haben ab sofort einen sicheren Lagerort: Am vergangenen Mittwoch wurde das Zentrale Kunstgutdepot der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerks an der Friedrich-Engels-Straße offiziell übergeben. Der Neubau, der nach dem Restaurierungszentrum in der Brandenburger Vorstadt schon der zweite in jüngster Zeit ist, wurde aus Mitteln des Sonderinvestitionsprogramms I vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg realisiert. Bis  Ende November sollen hier alle Kunstgegenstände eingelagert werden, die zurzeit noch an sehr unterschiedlichen Orten aufbewahrt werden. Aus Platzmangel dienten in der Vergangenheit beispielsweise die Dachböden verschiedener Schlösser, aber auch hinzugemietete Hallen als Lagerstätten.
Optimale Bedingungen für den Erhalt der Kunstgegenstände gab es in keinem Fall. Das soll sich in dem Neubau nun ändern. Erste Möbel sind bereits seit April eingezogen und stehen noch recht vereinzelt in den Regalen. Auf zwei Etagen mit insgesamt rund 6.000 Quadratmetern befinden sich 20 einzelne Räume, sogenannte Zellen, die eine materialgerechte Aufbewahrung ermöglichen. Die  Temperatur wird konstant bei 20 bis 21 Grad gehalten, die Luftfeuchtigkeit unterliegt steter Kontrolle: Beide Faktoren sind entscheidend bei der Konservierung von Kunstwerken, Möbeln, Geschirr und Bildern. Betreten werden dürfen die Zellen immer nur kurzfristig und nur von wenigen zugelassenen Mitarbeitern oder Kunsthistorikern, die hier forschen. Die fast einen Meter dicken Wände, die zur Hälfte aus Beton, aber auch aus Mauerwerk bestehen, garantieren das konstante Innenraumklima. Bei eventuellen Abweichungen setzt sich eine Klimaanlage in Gang, die mit einer leichten Temperaturerhöhung um nur ein Grad auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit ausgleichen kann, sagt Ayhan Ayrilmaz. Der Chefarchitekt der Schlösserstiftung überwacht alle Bauvorhaben der Stiftung.
Ebenso perfekt sei auch das Brandschutzkonzept. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass in dem streng funktionalen Bau tatsächlich mal ein Feuer ausbreche, lässt man die betroffene Zelle kontrolliert abbrennen, anstatt zu löschen, denn eine Sprinkleranlage oder gar Löschwasser richten größere Schäden an, da auch die umliegenden Lagerräume betroffen wären. Dass es überhaupt zu einem Brand kommen kann, sieht Ayrilmaz allerdings als unwahrscheinlich an, da das Gebäude besitzt nur wenige technische Anlagen besitzt.
Stiftungsdirektor Hartmut Dorgerloh eröffnete kurz vor dem Ende seiner Dienstzeit und zugleich 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, das die Sammlung der SPSG überhaupt erst ermöglicht hat, das Depot für die Kunstgüter, die nicht in Ausstellungen gezeigt werden. Untergebracht werden auch Gegenstände aus der Zeit, in der die DDR-Regierung das Schloss Schönhausen, das ebenfalls zur Stiftung gehört, nutzte. Denn auch diese Werke sollen für spätere Generationen erhalten werden. Bemerkenswert sei die Geschwindigkeit, mit der der Bau im geplanten Kostenrahmen fertig gestellt wurde, betonte Ministerialdirektor Günter Winands als Vertreter von Staatsministerin Monika Grütters und fügte hinzu, dass das Gebäude ein gutes Vorbild für andere Städte sei, die ebenfalls ein Depot bauen müssten. (sg)

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