„Du kriegst die Motten!“

„Du kriegst die Motten!“

Beelitz-Heilstätten: Einst lebten 1.200 Patienten hier, seit 20 Jahren stehen viele Klinikgebäude leer und verfallen zunehmend. Schilder warnen vor dem Betreten der Gebäude.Foto: Lange

Tour durch die ehemaligen Beelitzer Heilstätten

Beelitz-Heilstätten. Wie Motten, die das Licht umschwärmen, sagt man umgangssprachlich von Leuten, die sich von etwas stark angezogen fühlen und dessen Nähe suchen. Neugierige aller Art zieht auch das ehemalige Krankenhaus Beelitz-Heilstätten an. Neben Hobbyfotografen, auf der Suche nach spektakulären Fotomotiven, Partyfans auf der Suche nach dem besonderen Kick, gibt es auch eine legale Variante, sich dem morbiden Charme der Beelitzer Heilstätten zu nähern.
Irene Krause lädt regelmäßig zum „Mottenausflug in die Beelitzer Heilstätten“ ein. Gleich zu Beginn der zweistündigen Tour erklärt sie, dass „die Motten haben“ ein verhüllender Ausdruck für „mit einer Lungentuberkulose infiziert sein“ bedeute. Das dahinterstehende Bild der Lunge als eines Stoffes, den Motten durchlöchert haben, ist jedem verständlich, der im Kleiderschrank von Motten zerfressene Wollkleidung vorfindet. Weiter geht es durch das Gelände, auf dem sich einst Krankenhauspavillons mit externer Lüftungsanlage, Liegehallen und Pförtnerhäuschen, Werkstätten, Badehaus, Küchen- und Wäschereigebäude, Desinfektionsgebäude, Gärtnerei, Stallgebäude …. befanden.
Das Betreten der Häuser ist bei Irene Krauses Touren nicht möglich. Der Verletzungsgefahr durch herabbröckelnden Putz oder durch instabile Gebäudeteile sollen ihre Gäste nicht ausgesetzt werden. Vielmehr liegt es ihr am Herzen, Besuchern einen Eindruck vom morbiden Charme der Beelitzer Heilstätten zu vermitteln und sie per Fotos, Postkarten und Anekdoten teilhaben zu lassen am einstigen Leben in den Heilstätten. Sie berichtet dabei von der Lungenheilanstalt für Männer, den „grünen Jungfrauen“ bis hin zur sowjetischen Armee, die ein Militärhospital in Beelitz einrichtete.
Irene Krause ist von den Heilstätten begeistert. Sie sammelt alles, was sie über die Heilstätten in die Finger bekommt und war selbst in Bonn unterwegs, um im Archiv des „Vowärts“, dem Parteiblatt der Sozialdemokratie, zu recherchieren. Der Postkarte einer Insassin entnahm sie: „Den ganzen Tag baronisieren wir, unsere Kur besteht nur im Liegen, Essen und Spazierengehen“.
Etwa 40 Teilnehmer sind an diesem Tag mit Irene Krause auf Mottentour. Am Ende gibt es Beifall und bewundernde Worte für einen zweistündigen, lebendigen Ausflug in die Vergangenheit.
Der „Mottenausflug“ ist längst kein Geheimtipp mehr. Termine für Touren sind schon Wochen vorher ausgebucht. Freie Kapazitäten gibt es erst wieder am Sonnabend, 24. Mai, Start 11 Uhr oder am Donnerstag, 29. Mai, Start 14 Uhr (Vatertag) und folgende. Anmeldungen bei Irene Krause unter Tel. 033204 – 61 262. (ela)

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