Rauschender Auftakt für die Beelitzer Festspiele

Mit einem Feuerwerk, das den Abendhimmel über Beelitz zum Leuchten brachte, neigte sich eine gelungene Premiere dem Ende. Foto: Pressestelle der Stadt Beelitz

Beelitz.

Mit einem rauschenden Premierenabend vor ausverkauften Rängen ist die Spargelstadt am Donnerstag in die diesjährigen Beelitzer Festspiele gestartet: Zweieinhalb Stunden Open-Air-Theater mit hochkarätiger Besetzung, eine unvergleichlich heitere Atmosphäre an der Nieplitz und ein begeistertes Publikum, das am Ende stehend und jubelnd Beifall spendete. „Der Auftakt ist absolut gelungen. Ich bin selbst immer wieder ganz ergriffen, was wir in Beelitz gemeinsam auf die Beine stellen - und wie viele Menschen wir begeistern können“, so Bürgermeister Bernhard Knuth, der als Intendant der alle zwei Jahre statt findenden Festspiele die Feder führt.

Für dieses Jahr hat er die Berliner Bühnen am Kurfürstendamm ins Boot geholt und mit dem Traditionstheater eine Wiederaufnahme des Schwanks „Pension Schöller“ in die Wege geleitet. Die Erfolgsinszenierung von Regisseur Jürgen Wölffer war ab 1997 über 1300 Mal am Boulevard der Hauptstadt und als Gastspiel in vielen weiteren Theatern bundesweit gelaufen. Das Erfolgsrezept aus einer urkomischen Geschichte mit schrägen Typen und bekannten wie spielfreudigen Darstellern zündet nun auch unter freiem Himmel in Beelitz: Herbert Köfer, Achim Wolff, Winfried Glatzeder und viele andere zelebrieren ihre Rollen geradezu und sorgen für einen Abend voller Lacher.

Unter den Premierengästen waren neben vielen Beelitzern und Besucher von außerhalb auch Prominente aus Kultur, Wirtschaft und Politik, sie alle gaben sich begeistert. „Es war der absolute Hammer“, sagte zum Beispiel Rias-Legende Nero Brandenburg zwischen den Akten. Der Moderator war bereits vor zwei Jahren dabei, mit der jetzigen Inszenierung habe Beelitz noch eine Schippe drauf gelegt: „Es ist ein so schönes Stück und es macht so viel Spaß, man schlägt sich vor Vergnügen wirklich auf die Schenkel. So muss Theater sein, so muss Beelitz sein.“

Vor allem die Anspielungen auf die Spargelstadt kamen beim Publikum an: Gutsbesitzer Klapproth (gespielt von Achim Wolff), der in Berlin eine Irrenanstalt besuchen will, um am Stammtisch etwas erzählen zu haben, kommt natürlich aus Beelitz. Und auch den Apotheker, den er damit übertrumpfen möchte, kennt man hier in der Spargelstadt nur zu gut. Spargel – auch der wurde irgendwie eingebaut und noch so manch andere lokale Eigenheit, die sich nahtlos in die Geschichte einfügt.

Dass die Irrenanstalt, in die es Klapproth verschlägt, eigentlich nur eine normale Pension mit – zugegeben – besonders schrulligen Gästen ist, löst sich freilich erst am Ende auf, und bis dahin treiben die Darsteller den Wahnsinn auf die Spitze: Der cholerische Major von Mühlen (Regisseur Wölffer), der einst beim alten von Zieten diente (eine Anspielung auf die Beelitzer Zieten-Kaserne), die neugierige Schriftstellerin Zillerthal (Christine Schild) und der großspurige Weltenbummler Bernhardy (Gisbert-Peter Ternhorst). Mittendrin der sympathisch-schusselige „Direktor“ Schöller, gespielt von Herbert Köfer, und sein Neffe Eugen (Glatzeder), der Schauspieler werden möchte, aber kein „L“ sprechen kann.

„Die Rolle ist köstlich, aber auch sehr fordernd“, schätzt Lutz Backes, der mit seiner Frau Elfriede seit Jahren regelmäßig nach Beelitz kommt. Der in Nürnberg lebende Karikaturist, Schriftsteller und Bildhauer – bekannt unter dem Pseudonym Bubec – hat in der Spargelstadt unter anderem mit der Büste des ersten Spargelbauern im Lustgarten Spuren hinterlassen. „Wir haben das Stück im Laufe unseres Lebens bestimmt schon zehn Mal gesehen – und lachen immer noch darüber. Es ist ein herrlicher Schwank“, urteilen die beiden.   Aber auch der Rahmen der Veranstaltung kam sehr gut an: Vor der Aufführung flanierten Mitglieder des Beelitzer Frauenchores und des Beelitzer Carneval Clubs in historischen Kostümen über das Gelände, die Feuerwehr drehte mit Pickelhaube und Handspritze ihre Runde. Vor den drei großen Zuschauerblöcken wurden auch dieses Mal wieder Promenadenplätze bereitgestellt, an denen es einen Imbiss gab – die Karten dafür waren zuerst vergriffen. Zur Einstimmung erklang die „Berliner Luft“, als Entree, gesungen von Frauenchor und BCC, unterstützt von Entertainerin Dagmar Frederic. Ein Drehorgelspieler sorgte darüber hinaus für kaiserzeitliches Flair. Mit zunehmender Dunkelheit wurden Lampions und Lichtinstallationen der Dekoprofis von der in Beelitz ansässigen DEW GmbH angeschaltet, sodass der Open-Air-Zauber letztendlich vollends zum Tragen kam.

„Eine wunderbare Veranstaltung: Das ganze Ambiente, die Qualität und die Künstler beeindrucken einfach“, schwärmte auch der Landtagsabgeordnete Andreas Bernig. „Es tut richtig gut, man kann abschalten, lachen, mal aus sich rausgehen.“

Weitere Aufführungen sind am 12., 17., 18. und 19. August um jeweils 20 Uhr. Die Veranstaltung für Sonntag, 13. August, um 15 Uhr, ist bereits ausverkauft, für die anderen gibt es noch Restkarten – erhältlich an der Abendkasse, der Tourist-Info Beelitz oder jeder anderen Vorverkaufsstelle sowie online über www.beelitzer-festspiele.de. (tl)

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