"Pension Schöller" ist aufgebaut

Umgezogen: "Pension Schöller" gibt es nun auch in Beelitz. Foto: Pressestelle der Stadt Beelitz

Beelitz.
Schränke, Sitzmöbel, Türen und ganze Wände sind am Dienstag von Berlin nach Beelitz umgezogen: Über 50 Einzelteile umfasst das Bühnenbild des Erfolgsstückes „Pension Schöller“, vor dem Darsteller wie Herbert Köfer, Winfried Glatzeder, Achim Wolff und einst auch Elisabeth Wiedemann (1926 – 2015) und Friedrich Schönfelder (1916 – 2011) in ihren Rollen brillierten. Das komplette Interieur des vermeintlichen „Sanatoriums“ ist auf der Bühne zwischen Altstadt und Nieplitzufer wiederaufgebaut worden - und ist neben den Zuschauertribünen, die bereits seit gestern stehen, ein deutliches Zeichen dafür, dass die Premiere naht.
 
Am Donnerstag geht erstmals der Vorhang auf für den berühmten Schwank, der an den Berliner Bühnen am Kurfürstendamm vor 20 Jahren startete und mit rund 1300 Aufführungen zum Dauerbrenner am Boulevard wurde. Für die Beelitzer Festspiele haben die Ku’Damm-Bühnen das Stück wiederaufleben lassen – mit fast der kompletten Schauspielerriege der früheren Aufführungen um den Regisseur und einstigen Intendanten Jürgen Wölffer. Nachdem das Berliner Publikum das Stück bis vergangenen Sonntag nochmal am Originalschauplatz sehen konnte, öffnet die „Pension“ nun unter freiem Himmel im Rahmen der Beelitzer Festspiele 2017. Neben dem Bühnenbild ist heute auch die Tontechnik installiert worden, am Abend probte der Beelitzer Frauenchor seinen Auftritt, der in das Stück integriert wird.
 
Mittlerweile sind über 80 Prozent der Karten für die sieben Vorstellungen verkauft – schon das ist ein Erfolg. „Natürlich ist die bekannte Inszenierung ein großer Anreiz für viele, einen Theaterabend in Beelitz zu planen“, sagt Bürgermeister Knuth. „Die große Nachfrage zeigt aber auch, dass unsere Veranstaltungsreihe mit dem einmaligen Ambiente, der großartigen Atmosphäre und der Auswahl an Stücken längst einen festen Platz in den Herzen der Menschen in unserer Region und weit darüber hinaus gefunden hat.“
 
Nach dem „Weissen Rössl“ 2013 und der Berliner Operette „Frau Luna“ vor zwei Jahren hat der Intendant offenbar wieder ein glückliches Händchen bewiesen: Das Stück um die scheinbar „Verrückten“ ist ein zeitloser Knüller, der das Zwerchfell ordentlich beansprucht. Der Hintergrund ist aber durchaus ernst: Es geht um Voyerismus und darum, wie schnell man Menschen abstempelt, sagt Regisseur Wölffer. Er selbst spielt den cholerischen Major von Mühlen.
 
Aufhänger für die Geschichte voller Verwechselungen ist das Bestreben des Gutsbesitzers Philipp Klapproth, mal eine Irrenanstalt zu besuchen, um zuhause am Stammtisch ordentlich etwas erzählen zu können. Sein Neffe Alfred vermittelt ihn in Ermangelung eines echten „Sanatoriums“ auf Vorschlag seiner Verlobten Franziska in die Pension ihres Onkels Schöller, denn die Gäste sind mindestens genauso gut wie echte Irre. Und so trifft Klapproth auf eine neugierige Schriftstellerin, einen großspurigen Großwildjäger, den Major und einen Schauspielschüler, der das „L“ nicht aussprechen kann. „Mein Nehrer sagt, ich hätte großes Tanent“. Kein geringerer als Winfried Glatzeder spielt den Eugen Schöller, der so gern „Othenno“ und „Hamnet“ rezitiert und trotz Sprachfehler zum Theater möchte.
 
Aufführungen gibt es am 10., 11., 12., 17., 18. und 19. August um jeweils 20 Uhr sowie am 13. August um 15 Uhr. Karten kosten je nach Kategorie zwischen 29,50 und 62 Euro und sind in jeder Vorverkaufsstelle sowie online über www.beelitzer-festspiele.de erhältlich. (tl)

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