Der Geist der Heilstätten

Der Geist der Heilstätten

Gegenwärtig wird für einen Horrorfilm, welcher im Februar in die deutschen Kinos kommt, getrommelt. Gedanklich verortet wird dieser womöglich in den Beelitzer Heilstätten. Hier wurde der Filmcrew allerdings das Drehen ihres Streifens nicht gestattet. Foto: Pressestelle der Stadt Beelitz

Keine Kulisse für den neuen Horrorfilm

Beelitz.

Ende Februar kommt der Horror-Film „Heilstätten“ in die Kinos. Die Werbetrommel wird bereits ordentlich gerührt und auf Facebook verabreden sich schon die ersten, den Gang ins Kino mit einem nächtlichen Besuch des vermeintlichen Drehortes zu verbinden. Der Name und auch Aspekte der Handlung verleiten viele zu der Annahme, dass der Streifen in den Beelitzer Heilstätten produziert worden ist. Der Film wurde allerdings nicht in Beelitz gedreht. Überdies sind nächtliche Besuche auf dem Gelände der ehemaligen Lungenheilanstalt in Beelitz schon seit Langem nicht mehr möglich, sondern stellen einen Strafbestand dar, der auch geahndet wird, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Beelitz.

„Wir sind heilfroh, dass der Grusel- und Partytourismus, der uns allen bis vor wenigen Jahren noch das Leben schwer gemacht hatte, durch das entschiedene Vorgehen der Polizei und die Entwicklung der Heilstätten beendet werden konnte“, unterstreicht Bürgermeister Bernhard Knuth. Dieses Kapitel sei endgültig abgeschlossen, zumal es jetzt auch für den letzten Quadranten konkrete Pläne für die Sanierung der bestehenden Gebäude und die weitere Bebauung des Areals gibt, die ab diesem Jahr umgesetzt werden sollen. „Jeder, der sich für die Geschichte und für die Architektur dieses Ortes interessiert, kann diese bei Führungen und bei einem Besuch des Baumkronenpfades erkunden – und das, ohne sich irgendwelchen Gefahren für Leib und Leben auszusetzen.“ Sogar geführte Fototouren durch die Gebäude sind mit Anmeldung möglich.

In dem Film mit dem Untertitel „Traust Du Dich?“ geht es um junge Leute, die mit der Videokamera nachts in den Ruinen einer ehemaligen Heilstätte, wie es sie im frühen 20. Jahrhundert einige rund um Berlin gegeben hatte, auf Geisterjagd gehen – und dabei fündig werden. „Der Streifen ist natürlich darauf angelegt, dass sich das Publikum gruselt – aber niemand sollte sich davon provozieren oder animieren lassen, selbst in solchen Ruinen herum zu klettern“, so der Bürgermeister weiter. Denn die Gefahren, die dort lauern, sind alles andere als übernatürlich, sondern bestehen mitunter in maroden Decken, Stolperfallen und nicht zuletzt in Form von Anzeigen durch die Eigentümer.

Der Filmcrew wurde das Drehen ihres Streifens in Beelitz nicht gestattet, heißt es auch in einer Mitteilung vom Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten. "Denn in Beelitz hatte und hat niemand ein Interesse daran, dass die mühsam aus dem Schlaf des Verfalls erweckten Gebäudeensemble erneut Wallfahrtsziel für Subszenen werden. Im Gegenteil ist man hier glücklich unter anderem mit dem LaGa-Projekt des Landes den positiven Entwicklungstrend – weg von einem „lost place“ – weiter voranzutreiben zu können, um dem Vandalismus endgültig einen Riegel vorzuschieben. Denn in der Tat erleiden die Gebäude der Beelitzer Heilstätten, welche bislang noch nicht saniert werden konnten, noch immer Schäden durch illegale Eindringlinge", so Holger Klementz vom Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten.

Gegen eine Nutzung des - wie ein Markenname bekannten und mit dem Ort Beelitz eng verbundenen - Begriffes „Heilstätten“ kann man sich indes kaum kaum wehren. Es gibt in Brandenburg (und ganz Deutschland) zahlreiche historische Heilstätten-Anlagen, so in Sommerfeld, Müllrose, Rathenow, Treuenbrietzen, Belzig, Hohenlychen, Kolkwitz und auch in Grabowsee. Dem Filmverleih ist damit für die Produktion offensichtlich ein Publicity-Coup gelungen. (ela)