Die Zukunft des havelländischen ÖPNV

Die Zukunft des havelländischen ÖPNV

Auch die weitere Bedienung des Wustermarker Bahnhofs wird von Landrat Roger Lewandowski in seiner Stellungnahme zum Landesnahverkehrsplan gefordert. Foto: man

Landrat gibt umfangreiche Stellungnahme zum Entwurf des Landesnahverkehrsplans ab

Havelland. Landrat Roger Lewandowski hat zum Entwurf des Landesnahverkehrsplans eine Stellungnahme für den Landkreis Havelland beim zuständigen Ministerium eingereicht. So betonte Lewandowski: „Zunächst ist positiv hervorzuheben, dass alle Strecken des Schienennahverkehrs weiterhin bedient werden sollen“. Allerdings sehe der Landkreis Havelland einige Vorhaben des Landes durchaus kritisch. Vor allem die Anforderungen an die Träger des öffentlichen Personennahverkehrs und Busunternehmen, die die geplanten Verknüpfungen zwischen Schiene und Straße, Tarife und den Taktfahrplan umzusetzen haben, seien ohne eine finanzielle Nachbesserung nicht realisierbar. Gerade im Bereich der Finanzierung und der Förderung müsse daher dringend nachgebessert werden. Besonders die Strecke wischen Spandau und Nauen sei im Rahmen der Korridoruntersuchung als Strecke mit einem "akuten Handlungsbedar"f eingestuft, auf der es dringend und zeitnah eine Entspannung durch weitere Angebote geben müsse. Die im Entwurf des Landesnahverkehrsplans entwickelten Lösungen würden bewirken, dass vier Züge je Stunde und je Richtung auf der Strecke fahren würden. Allerdings fordert der Landkreis Havelland, dass mindestens drei der Züge alle Halte zwischen Nauen und Spandau bedienen müssten, damit es für die Pendler und alle Bahnhöfe entlang dieser Strecke eine "wirkliche Verbesserung" geben könne. Lewandowski fordert weiter: „Dieses aus hiesiger Sicht verbesserte Angebot sollte allerdings nicht erst im Jahr 2022 umgesetzt werden. Denn bereits heute sind kurzfristige Lösungen dringend erforderlich, um das Pendleraufkommen auf dieser Strecke deutlich zu entspannen“. Besonders wichtig ist dem Landrat in diesem Zusammenhang, dass sich die geplanten Takt-Verbesserungen keinesfalls negativ auf die Notwendigkeit der Entscheidung zwischen einer Verlängerung der S-Bahn und einem mindestens dritten Regionalbahngleis auswirken dürfen. Der Trend der überdurchschnittlich positiven Entwicklung der Einwohnerzahlen werde sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen, sodass die Inanspruchnahme des SPNV auch künftig stabil bleibe bzw. steige. „Daher ist es gerade auf dieser Relation unumgänglich, zukunftsfähige, über die reine Verkehrsbedienung hinausgehende und längst überfällige strukturpolitische Entscheidungen zu treffen“, so Lewandowski. Ein weiterer Kritikpunkt des Landkreises am Nahverkehrsplan sei die Verbindung zwischen Berlin und Rathenow. Die Pendlerzahlen auf dieser Strecke steigen kontinuierlich, unter anderem aufgrund der bereits erfolgten bzw. noch in Planung befindlichen Gewerbeansiedlungen an der Strecke, besonders in den Bereichen Wustermark und Brieselang, und durch den Zuzug aus dem Berliner Raum ins ländliche, baupreisgünstige Umland. „Um dieser strukturell zu begrüßenden Entwicklung Rechnung zu tragen, sollte bereits heute eine Taktverdichtung der RE 4 auf einen Halbstundentakt vorgesehen werden“, fordert der havelländische Landrat. Auch die Verknüpfung der Linien 13 und 21 wird vom Landkreis grundsätzlich begrüßt. Aber: Dass der Bahnhof Wustermark abgekoppelt werden soll, ist für den Landkreis nicht akzeptabel. Dazu heißt es weiter in der Pressemitteilung: „Der Bahnhof Wustermark ist einer der Umsteigebahnhöfe mit direktem Busanschluss zu den GVZ-/Gewerbegebieten in Wustermark (ca. 5.000 Beschäftigte), Brieselang (ca. 3.000 Beschäftigte) sowie Etzin (ca. 600 Beschäftigte). Die Beschäftigten kommen nicht nur aus dem Raum Berlin und Rathenow sondern auch aus Potsdam. Außerdem wird Wustermark als Verknüpfung für Berufspendler und Tagesausflügler in die Landeshauptstadt Potsdam genutzt. Der Bahnhof Wustermark muss demnach auch künftig von der RB 21 bedient werden.“ Kritisch sieht der Landkreis an dieser Planung weiterhin, dass bei der im Entwurf vorgesehenen Linienführung der RB 21 der Bahnhof Elstal nicht bedient werden würde. Das sei insbesondere deshalb kontraproduktiv und ein negatives Signal vonseiten des Landes Brandenburg, da das Umfeld des Bahnhofs Elstal gegenwärtig mit erheblicher Förderung des Landes infrastrukturell zu einem attraktiven bahnaffinen Gewerbestandort und Wissenschaftscampus ausgebaut wird. Der neu geplante Bahnhof West würde nur die Nähe zum Outlet-Center aufweisen, wobei allerdings Zuwegung und Parkmöglichkeiten fraglich sind, da die Flächen zum Parkbereich des Outlet-Centers gehören. „Die Forderung des Landkreises Havelland ist daher die Bedienung der Halte Wustermark und Elstal auch mit derneuen Linie 21“, macht der Landrat deutlich und schlägt vor, die RB 21 wie bisher nach Wustermark zu fahren und dann weiter nach Berlin. Die Fahrzeit gegenüber der vorgeschlagenen Variante würde um wenige Minuten verlängert, Neubaumaßnahmen von neuen Bahnhöfen/Haltepunkten wären nicht erforderlich. Schlussendlich hat der Landkreis Havelland in seinem eigenen Nahverkehrsplan, der bis 2019 gilt, die Bahnhöfe Rathenow, Nauen, Falkensee, Premnitz, Friesack, Wustermark, Brieselang, Dallgow-Döberitz und Finkenkrug als Verknüpfungspunkte zur Realisierung von Umsteigebeziehungen SPNV/SPNV bzw. SPNV/ÖPNV benannt. Bislang ist nicht jeder dieser Bahnhöfe hinsichtlich seiner Ausstattung als Verknüpfungspunkt geeignet bzw. barrierefrei. Fehlende behindertengerechte Zugänge und fehlende Ansage-/Informationsmöglichkeiten erschweren die Inanspruchnahme der SPNV-Angebote. Im Landesnahverkehrsplan sollten daher nicht nur die Anforderungen an die Ausstattungen der Bahnhöfe festgelegt, sondern auch auf ihre Einhaltung/Errichtung der Ausstattungen bei der Bahn gedrungen werden. Ergänzend fordert der Landkreis auch für die übrigen Bahnhöfe eine behindertengerechte Zuwegung. Was sagen Sie zum Schreiben des Landrats? Mailen Sie an nauen@preussenspiegel-online.de (ps/man)